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+--Forum: Wandern und Reisen
+---Topic: Indien,wie wir es sehen started by Martina


Posted by: Martina on 16 Dezember. 2001, 10:31

Indien ist, wie alle wissen, ein mythisches Land.
Eines der grossen Mysterien ist das Telefon.
Ich habe mein Handy mit, das funktioniert in einigen Staedten und in anderen nicht. Das kann man vorher nicht wissen, es ist unabhaengig von der Groesse und auch von wirtschaftlicher und /oder touristischer Bedeutung.So hat es in Udaipur funktioniert (400 000 Einwohner, touristisch bedeutsam) in Agra (2 Millionen Einwohner, da steht das Taj Mahal) nicht. Hier in Ahmanabad (Hauptstadt des Bundesstaates Gujarat 5 Millionen Einwohner) funktioniert es nicht. Auf meine Anfrage erhalte ich die aufschlussreiche Auskunft, dass manche Gesellschaften eben international verbunden sind und andere nicht und indische Handybesitzer auch nicht wissen, wann und ob sie mit ihren Telefonen internationale Gespraeche fuehren koennen.
Ein Abenteuer ist es auch, eine geaenderte Nummer herausfinden zu wollen.
Also: Ich stelle fest, dass die Nummer von Peter in Megalaya geaendert worden ist. Ich erhalte auf meinen Handy , das gerade funktioniert ,die Auskunft, die Nummer 1951 zu waehlen. Dort wird mir in deutlichem Hindi (oder in einer der anderen 5 Hauptsprachen Indiens )etwas erklaert. Aha. Ich waehle die zweite Nummer ,englisch !!!!! Ich soll doch einfach die alte Nummer nochmal waehlen, dann wuerde ich die andere erfahren. Ich versuche - Ergebnis null. Der junge Hotelmanager aus der alten Rajputenfamilie, der einiges studiert hat und am Goetheinstitut auch Deutsch gelernt hat, versucht es auch - nichts. Er raet mir, mich an Experten zu wenden. Das sind die Telefonwallahs. In Indien gibt es an jeder Ecke ein kleines Geschaeftchen , draussen stehen auf gelb bemalten Grund verschiedene Grossbuchstaben. Inder lieben Abkuerzungen. In diesen Geschaeften stehen immer 3 verschiedene Telefone und ein Mensch bedient sie. In manchen Teilen des Computerwunderlandes geht das Telefon nur ueber das "Fraeulein" oder den Herrn vom Amt!!! Ich  wende mich also an den Telefonmann und trage mein Anliegen vor. Er schuettelt weise das Haupt. ( Das kann in Indien viel bedeuten, diesmal bedeutet es wirklich nein) Wir befinden uns im Bundesstaat Rajastan und es ist wirklich nicht moeglich , eine Telefonnummer in  Megalaya herauszufinden. Dieses Service  hat die Telecom India nicht. Ich argumentiere,dass das aber von Europa aus schon moeglich waere. Ja von Europa.! Einige Leute haben sich versammelt und verfolgen den Disput mit Interesse. Einer mischt sich ein und schlaegt lachend vor: Aber wenn  du versuchst ,heute in der Nacht fest daran zu denken, dann wird sich so viel Energie ansammeln, dass du mit dem Menschen Verbindung aufnehmen kannst, vielleicht faellt dir auch die Nummer ein. Ich bedanke mich mit Handschlag fuer den guten Rat und verlasse die Telefonspezialisten.
Am Nachmittag finden wir unser Lieblingsgeschaeft in Udaipur, einer wirklich wunderhuebschen Stadt. Es ist gleich dort, wo der Elefant in der Seitengasse steht und Touristen ( indische und andere) die Gasse zum Palast hinauftraegt.
Das Geschaeft  besteht aus drei hintereinanderliegenden Hoehlen. Vor dem Geschaeft sitzt der Opa und schaut dem Geschehen zu. Er wird in Folklorefragen zu Rate gezogen. In der ersten Hoehle ist der Papa , er verkauft Zigaretten, Filme, Ansichtskarten... In der zweiten und dritten Hoehle ist der quirlige Sohn, er wechselt Geld, hat die ueblichen 3 Telefone und in der dritten Hoehle 5 Computer,mit erstaunlich funktionierender Tastatur. In der zweiten Hoehle hat er eine grosse Buchauswahl, welche davon auch gelesen. Er ist der erste, dem es einfaellt, wenn er ein Buch nicht hat,  bei einer zentralen Stelle anzurufen, um zu fragen, ob es das Buch in Udaipur ueberhaupt gibt.
Von dieser Initiative sind wir so begeistert, dass ich es wage, mein Problem mit der geaenderten Telefonnummer zu erzaehlen. Er sagt: Ts ,no problem. Er tippt in einem seiner 3 Telefone herum, kramt  nach einem Zettel und schreibt die neue Nummer auf.
Eine fuenfstuendige Busfahrt hat uns in die Hauptstadt von Gujarat nach Ahmanabad gebracht. Und hier erleben ein wirkliches Wunder!!!!!!!
Im Krishna- Komplex, in dem ich jetzt auch sitze, gibt's eine Riesenbuchhandlung, wir schmoekern und kaufen. Bis hier her nichts Ungewoehnliches, aber beim Hinausgehen schnuppern wir. Einmal, zweimal....unglaublich! Es riecht nach Kaffee. Kaffee ist in Indien normalerweise Heisswasser mit homoeopatischen Dosen Nescafe. Wir stuermen das Lokal und bestellen:Cappuccino.Und .....es ist wirklich einer.
Damit die Inder die Kaffeearten auch richtig aussprechen beim Bestellen, kriegen sie auf dem Tablett einen Hilfszettel mit Aussprachehilfe: cap-uh-chee-no muss das also heissen. Und es-press-o makee-ah-toe!
Wir wissen nicht, ob es in unserem Naechsten Reiseziel Diu ein Kastl gibt.......daher wuenschen wir schoene Weihnachten,allen Leserinnen und Lesern!


Posted by: Trude on 18 Dezember. 2001, 22:57

Liebe Martina!
Dieser Bericht hat mich wirklich amüsiert und fasziniert. Man muss in diesem Land sicher eine gehörige Portion Geduld aufbringen.

Wünsche Euch auch ein frohes Weihnachtsfest!

Liebe Grüße
Trude


Posted by: Surfinia on 23 Dezember. 2001, 13:04

Liebe Martina, liebe Elisabeth!

Da auch ich mich immer sehr ueber eure tollen Berichte freue, habe ich als kleine Weihnachtsueberraschung begonnen, eure Reise einem noch groesserem Publikum zukommen zu lassen - siehe:
< http://members.chello.at/surfinia/webgarden/indx_ind.htm >

Ich wuensche euch schoene Weihnachten und weiterhin eine gute Reise!

lg
Surfinia


end


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